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Ratgeber 8/97
Niemand ist typisch. Jeder ist einmalig.
Und auch Männer sind nicht besser oder schlechter, stärker oder
schwächer, klüger oder dümmer. Sie sind nur anders als
Frauen. Wir begegnen ihnen überall. Täglich. Glauben, sie zu
kennen. Und können sie doch oft nicht begreifen. Die hohe Scheidungsquote
und die Tatsache, daß 81 Prozent der Frauen das Leben erst lebenswert
finden, wenn sie sich in einer glücklichen Partnerschaft geborgen
wissen, macht eine umfassende Aufklärungskampagne offensichtlich
dringlich Bei einem "Frühstückstreffen für Frauen"
lockte das Thema mehr als 200 Frauen an, die von der Referentin Yola Entz
mehr über das unbekannte Wesen "Mann" erfahren wollten.
Männer sind ganz anders... ...aber
nicht völlig unbegreiflich
Grundsätzlich verschieden
"Hätte ich damals gewußt,
was ich heute weiß, hätte ich sicher manches anders gemacht."
Diese Erkenntnis der lebenserfahrenen Yola Entz ließ die wesentlich
jüngeren Frauen im Saal hellhörig werden. Die gebürtige
Berlinerin wußte, wovon sie sprach. Sie war 37 Jahre verheiratet.
Ist seit elf Jahren verwitwet. Wanderte nach dem Krieg in die USA aus,
wo heute ihre drei Kinder und fünf Enkel leben. Sie selbst kam 1959
nach Deutschland zurück, baute in Koblenz eine überkonfessionelle
christliche Jugendarbeit auf. Seit 1987 arbeitet sie als Gebietsbeauftragte,
Vorstandsmitglied, Referentin und Koordinatorin beim "Frühstückstreffen
für Frauen" mit.
Beziehungsprobleme beruhen für sie auf
einer ganz einfachen Tatsache: Männer und Frauen sind grundsätzlich
verschieden. Die Unterschiede auf emotionalem, psychischem und physischem
Gebiet sind oft so extrem, daß ohne gemeinsame Bemühungen von
Mann und Frau ein Zusammenleben sehr schwierig wird. Erst die realistische
Einschätzung des großen "kleinen Unterschieds" macht
eine glückliche Beziehung in Ehe und Partnerschaft möglich.
Sorgen und Verletzungen
Um Männer macht eine Frau sich immer
Sorgen: dann, wenn sie einen hat und erst recht, wenn sie keinen hat.
Doch auch ein Mann kommt ins Grübeln, wenn er nicht weiß, was
Frauen denken und was sie wirklich wollen. Yola Entz listete acht repräsentative
Beispiele auf, mit denen die Herren der Schöpfung ihr weibliches
Gegenstück vielleicht oft unwissentlich, aber nachhaltig verletzen.
Ein Mann neigt leicht dazu, seine Frau zu
kritisieren. Er interessiert sich zu wenig für ihre Worte und Gedanken.
Er übernimmt nicht genug Verantwortung im Haushalt. Seine Aktivitäten
haben meistens Vorrang vor ihren Wünschen und Bedürfnissen.
Er hält ihr gerne Vorträge, anstatt einmal zu versuchen, Verständnis
und Anteilnahme für sie zu entwickeln. Häufig demonstriert er
männliche Überlegenheit. Nicht seiten räumt er demonstrativ
anderen Menschen Vorrang ein. Und zu guter Letzt - er gibt sich viel zu
selten Mühe, Romantik in das gemeinsame Leben zu bringen.
Ein solches bewußtes oder unbewußtes
Verhalten löst bei der Frau emotionale Blockaden aus. Sie fühlt
sich nicht ernst genommen, ungeliebt und weist seine Zärtlichkeiten
zurück oder erwidert sie zumindest nicht. Er steht vor einem Rätsel.
Typisch Frau. Zickig. Beleidigt. Unversöhnlich.
Dabei geht es ihr oft nicht anders. Auch
sie spürt hier und da an seinem wundersamen Gebaren, daß sie
ihm unrecht getan haben muß. Doch alles Rückblenden führt
zu nichts: Sie kann sich beim besten Willen nicht mehr erinnern, wann
und wie. In solchen Momenten erscheint es fast fragwürdig, ob beide
tatsächlich dieselbe Sprache sprechen. Denn das Problem beim Namen
zu nennen, gelingt meistens nicht.
Gefühle
Dabei verkraften es beide gleich schwer,
wenn Bedürfnisse mißachtet wurden. Nur eben jeder anders. Frauen
neigen dazu, alles sehr persönlich zu nehmen. Sie haben von Natur
aus ein vitales Interesse an Menschen und Dingen ihrer Umgebung, Sie brauchen
mehr Zeit, um Veränderungen zu verarbeiten, denn sie lieben Kontinuität
und Sicherheit, weil sie zukunftsorientiert denken.
Männer dagegen lassen nur ungern an
ihrer Bedeutsamkeit rütteln, Sie ist ihnen wichtig. Fast schon unantastbar.
Doch man bedenke: Ihr unbewußtes Ich-Ideal wurde ihnen zumeist von
Frauen vermittelt. Die Erziehung besorgten vorzugsweise Mütter, Omas,
Tanten, Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen. Sie schufen das unerschütterliche
Bild vom lndianerherz, das keinen Schmerz kennt, vom kleinen Jungen, der
nicht weint und keine Angst hat.
Wer diese Grundzüge nicht realisiert
und berücksichtigt, riskiert Schiffbruch in seiner Beziehung. Werden
nämlich Grundbedürfnisse nicht erfüllt, ergeben sich zwei
Reaktionsmöglichkeiten: Flucht oder Angriff. Wer sich zurückzieht,
beginnt erfahrungsgemäß nach einer Weile an seinem eigenen
Wert zu zweifeln. Wer die Offensive wählt, mausert sich nicht selten
zu einem Nörgler, der für den Partner kaum noch attraktiv ist.
Eine neue Identität
Keine Frage: Die Männer sind bereits
dabei, umzulernen. Wollen weder die ganz Starken noch die Schwachen sein.
Aber Lernen heißt Fehler machen. Und dabei müssen sie wohl
oder übel auch mal Mut zur Lücke haben. Eine verzwickte Situation.
Hart sein für das Leben und gleichzeitig weich genug für das
Lieben. Das ist nicht einfach. Und paßt kaum zusammen. Immer wieder
sind Kämpfe unvermeidlich. Wer im Beruf seinen Mann stehen will,
muß eine kämpferische Natur sein.
Die Frauen machen dabei die Situation nicht
einfacher. Ihre unaufhaltsam wachsende Konkurrenz in allen noch so vehement
verteidigten Männerdomänen wird von den Herren nicht so leicht
akzeptiert, Und auch privat haben sich die Kompetenzen schon gründlich
verschoben. Werden ständig neu definiert.
Der "Macho' ist längst out. Und
auch der Softy" hat sich ausgekugelt. Quo vadis, Mann? Ist jetzt
der "Mafty" das Nonplusultra? Wohl kaum. Denn Frauen mögen
Männer, die wissen, was sie wollen und dennoch spüren, was Frauen
mögen. Sie wünschen sich einen Partner. Gleichwertig, aber nicht
gleichartig. Die Suche des Mannes nach einer neuen Identität in einer
Zeit des Umbruchs ist zugegeben eine schwierige Gratwanderung zwischen
männlichen und weiblichen Anforderungen.
Die Vorgaben der Biologie
Das Gehirn spielt bei solchen Umorientierungen
eine entscheidende Rolle. Und die Gehirne von Männern und Frauen
sind ebenfalls verschieden. Sie legen unterschiedliche Funktionen, Begabungen,
Gefühle, Interessen und sexuelle Bedürfnisse fest. Sie steuern
und prägen unser Wesen mit der Konsequenz, daß wir einiges
eben hinnehmen müssen, weil es nicht oder nur bedingt veränderbar,
beziehungsweise verstandesmäßig beeinflußbar ist.
So kommt es, daß Männer aggressiver
reagieren, sich abstrakter orientieren und den Statussymbolen wie Geld
und Macht mehr Bedeutung Beimessen. Frauen hingegen neigen zu ausgeprägterer
Sensibilität, intuitivem Verhalten und einem stärkeren Interesse
an menschlichen Problemen. Sie ziehen zarte Romanzen dem Sex eindeutig
vor.
Aber nicht nur im Kopf offenbaren sich solche
gravierenden Abweichungen. In jeder Körperzelle sind die beiden Geschlechter
verschieden. Schon die Sterblichkeit der Babys beweist, daß die,
Mädchen widerstandsfähiger und vitaler sind. Frauen verfügen
über eine stabilere Gesundheit, sind nicht so anfällig, lassen
sich nachweislich weniger krank schreiben und erholen sich rascher. Nicht
von ungefähr überleben die Frauen die Männer im Durchschnitt
um sieben Jahre.
Obwohl Männer mehr Muskeln spielen lassen
können, sich mit weniger Fett herumschlagen und bis zu 50 Prozent
mehr Körperkraft besitzen, erweisen sich Frauen als weniger schnell
müde, ausdauernder und belastbarer. Sie schütten in Ausnahmesituationen
nur halb so viel Streßhormone aus wie die Männer.
Insgesamt jedoch produzieren Frauen mehr,
aber andere Hormone. Wissenschaftler wollen sogar herausgefunden haben,
daß Männer weniger weinen als Frauen, weil ihnen ein bestimmtes
Hormon fehlt, das die Tränenflüssigkeit beeinflußt. Vor
der Pubertät, so die Experten, weinen Buben und Mädchen nämlich
gleich viel.
Unterschiede und kein Ende
Aber die Liste der Merk- und Denkwürdigkeiten
ist noch länger. Das Blut der Frauen enthält mehr Wasser, ihr
Stoffwechsel ist niedriger, ihre Atmungsaktivität geringer, ihr Herz
schlägt schneller und der Blutdruck variiert häufiger. Höhere
Temperaturen sind für Frauen leichter zu ertragen.
Während Männer bevorzugt räumlich
und abstrakt denken, spezialisierter und theoretischer sind, reagieren
Frauen stärker auf sinnliche Reize. Sie hören besser, haben
ein feineres Ohr für Schwankungen von Lautstärke und Harmonien.
Deshalb widmen sie sich in der Regel mehr und lieber dem Gesang und Tanz
als Männer.
Frauen sehen im Dunkeln besser. Ihr visuelles
Gedächtnis stellt das der Herren in den Schatten. Und die Frau übertrifft
den Mann deutlich in puncto Tastsinn und Geruchsempfindlichkeit. In der
Summe ihrer sinnlichen Fähigkeiten entfaltet sie eine feinfühligere
Wahrnehmung für Andeutungen. Sie ist Meister im Heraushören
von Nuancen und Zwischentönen. Das fördert eine bessere Menschenkenntnis.
In diesem Zusammenhang ist ihr Kombinationsvermögen herausragend.
Vielleicht liegt darin auch ihr Sprachtalent begründet. Mädchen
lernen erfahrungsgemäß früher sprechen und begeistern
sich leichter und perfekter für Fremdsprachen.
Sprengstoff und Chance
Diese Kriterien bieten naturgemäß
ein gefährliches Potential an Sprengstoff im zwischenmenschlichen
Bereich. Die Unwissenheit oder Ignoranz solcher Differenzen führt
zwangsläufig zu Spannungen. Was ihr stinkt, stinkt ihm überhaupt
nicht. Was sie stört, läßt ihn völlig kalt. Und wie
sie urteilt, kann er nicht nachvollziehen. Was sie interessiert, reißt
ihn kaum vom Hocker.. Das alles ist nicht böser Wille. Nicht Beziehungsunfähigkeit.
Sondern schlechtweg eine Kette von Mißverständnissen, bei der
jeder davon ausgeht, der andere denke, fühle und empfinde genauso
wie er selbst. Natürlich liegt in diesen Merkmalen auch eine immense
Chance. Sie bergen nämlich die Fähigkeiten zu ganz unterschiedlichen
Aufgaben, aus denen sich Berufe und Tätigkeiten ergeben, für
die Männer oder Frauen von der Natur besser oder schlechter ausgerüstet
sind. Eine natürliche Talentauslese sozusagen.
Es bleibt aber die Herausforderung, die Ehe
oder Partnerschaft als einen permanenten Balanceakt zwischen unterschiedlichen
Grundbedürfnissen zu akzeptieren, die nach Erfüllung drängen.
Es ist wichtig, wesentliche Bedürfnisse zu beachten, weil sonst der
Wunsch erwächst, sie anderweitig zu befriedigen. Aber man muß
wohl bemerken, daß eine vollständige Zufriedenstellung einigermaßen
unmöglich ist. Dafür menschelt es zu sehr. Es sind in einer
Beziehung - wie fast überall im Leben - Prioritäten zu setzen.
Abstriche in dem einen oder anderen Bereich sollten hingenommen werden.
Denn man kann auch ein erfülltes Leben führen mit unerfüllten
Wünschen, wenn man diesen nicht zu große Bedeutung beimißt.
Sex oder Liebe?
Yola Entz ging in ihrem Vortrag noch einen
Schritt weiter. Sie definierte zehn Bedürfnisse von Männern
und Frauen, die sie von den Zuhörerinnen jeweils fünf gestaffelten
Prioritäten zuordnen ließ. Bei der Auswertung stützte
sich die Referentin auf Erkenntnisse von Dr. Willard Harley, der in seinem
Buch "Seine Wünsche - ihre Wünsche" auf sehr abweichende
Bewertungen bei den Geschlechter" gestoßen war.
Wenngleich es überraschte, stimmte das
Ergebnis doch im wesentlichen mit den Erfahrungen der anwesenden Frauen
überein. Während für sie in einer Beziehung an vorderster
Stelle "Liebe und Zärtlichkeit" steht, suchen Männer
zu allererst die "Sexuelle Erfüllung", so Erkenntnis Nummer
eins. Beides hat eigentlich nicht zwangsläufig miteinander zu tun.
Und dennoch ist das eine ohne das andere in einer erfüllten Partnerschaft
nicht zu haben. Denn wer die Bedürfnisse des anderen nicht erfüllt,
darf sich nicht wundern, wenn er ebenfalls leer ausgeht
Vielen Männern ist nicht bewußt,
wie sehr sie ihre Partnerin verletzen durch eine selbstsüchtige Form
der Liebe, die rücksichtslos mit den Gefühlen der Frau umgeht.
Denn eine Frau, die sich benutzt oder gekränkt fühlt, vermeidet
jeden Kontakt, jedes Gespräch und jede Berührung. Auf der geistigen
Ebene schließt sie ihn aus. Sie fühlt sich dem Mann entfremdet
und meidet ihn körperlich instinktiv. Um völlige sexuelle Freiheit
zu erleben, muß eine Frau spüren, daß sie als Mensch
geschätzt, als Frau geachtet und als Partnerin geliebt wird.
Kommunikation und Freizeit
Zeit für "Kommunikation und Austausch"
rangiert beim weiblichen Geschlecht auf dem zweiten Platz, während
der Mann eher ein vitales Interesse an "gemeinsamer Freizeit' hat.
Hier ist ebenfalls eine Kombinationsmöglichkeit gegeben. Freude am
Gespräch und die Zeit dafür kann man sich in gemeinsamen Mußestunden
und bei gemeinsamen Interessen nehmen.
Deshalb ist es wichtig, die wenige Zeit,
die heute noch dafür bleibt, verantwortlich einzuteilen, damit der
Partner nicht zu kurz kommt. Ein glückliches Paar ist unter anderem
daran zu erkennen, wie es miteinander umgeht, zueinander spricht und aufeinander
eingeht.
Vertrauen und Attraktivität
Das Bedürfnis nach Vertrauen und Sicherheit
läßt die Damen als nächstes nach "Ehrlichkeit und
Offenheit" streben, während die Herren die körperliche
Anziehungskraft höher bewerten und eine "attraktive Frau"
begehren. Das ist auf Anhieb nicht so leicht auf einen Nenner zu bringen.
Deshalb ist in dieser Rangfolge ein besonderes gegenseitiges Verständnis
angezeigt.
Sie erwartet volles Vertrauen und gewinnt
erst bei vollständigen und richtigen Informationen über Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft die entscheidende Sicherheit. Dabei geht es um die
Teilnahme an der gesamten emotionalen Befindlichkeit des anderen. Situationen
von Trauer, Ärger und Verzweiflung eingeschlossen. Wird diese Basis
durch Unaufrichtigkeit aufs Spiel gesetzt, fühlt sich die Frau hintergangen.
Das Mißtrauen entfremdet und entzweit. Deshalb ist Ehrlichkeit -
nach Yola Entz die beste Eheversicherung.
Die Frau indes muß wissen, wie wichtig
ihrem Mann ist, sie körperlich anziehend zu finden und stolz auf
sie zu sein. Wird dieser Punkt von ihr vernachlässigt, muß
sie damit leben, daß er andere Frauen anschaut und attraktiver findet.
Geld Und Harmonie
Die "finanzielle Basis" spielt
für die weitgehend praktisch denkenden Frauen eine entscheidende
Rolle. Mangel an Geld kann oft
zu erheblichen Spannungen führen, in unserer Zeit erhöhter Arbeitslosigkeit
werden Ehen dadurch ganz erheblich belastet und oft auf eine Zerreißprobe
gestellt.
Der Mann bevorzugt hingegen eine "harmonische
häusliche Atmosphäre', in die er sich nach hartem Arbeitstag
zurückziehen kann. Hier soll sich die Frau um alles kümmern.
Besonders aber um ihn. In seinen heimischen vier Wänden möchte
er genießen und umsorgt werden. Sein Bedürfnis nach Harmonie
und gut erzogenen Kindern ohne Kontroversen und Auseinandersetzungen ist
massiv ausgeprägt. Daß er seine Frau unterstützen muß,
um diese Atmosphäre annähernd umzusetzen, bedarf der Einsicht
und einer Arbeitsteilung die beide als fair empfinden.
Ein guter Vater! Ein toller Mann!
Auf Rang fünf sehnen sich Frauen nach
einer deutlichen "Familienbindung" ihres Angetrauten. Führungsrolle
und Verantwortung sind gefragt. Vaterqualitäten. Zeit für Frau
und Kinder. Abgestimmte Erziehung. Konsequentes Strafen. Für sie
ist der beste Ehemann gleich zeitig auch ein guter Vater.
Der Mann hingegen lechzt nach "Bewunderung".
Für ihn ist Lob eine ungeheure Motivation. Es tut ihm gut, wenn seine
Persönlichkeit und seine Fähigkeiten anerkannt werden. Eine
Frau sollte ihren Mann deshalb schätzen für das, was er ist
und nicht für das, was er vielleicht sein könnte, wenn er ihren
Vorstellungen entspräche. Das bedeutet für ihn Unterstützung
und Ermutigung. Deshalb der Merksatz der Referentin: Hinter jedem Mann
sollte eine bewundernde Ehefrau stehen, bevor es eine andere tut. Schließlich
ist niemand gerne eine Selbstverständlichkeit. Übrigens: Frauen
auch nicht.
Lächeln und Nicken in der Runde. Die
frühstückenden Frauen signalisierten weitgehende Übereinstimmung
mit den ihnen bekannten Verhaltensmustern. Doch das tröstende Wort
zum Sonntag lag druckfrisch auf dem Tisch: Keiner der Männer, die
perfekte Ehemänner abgeben würden, ist schon verheiratet. Na
bitte, kein Wunder, wenn man ihn nicht daheim hat. Der Satz ist aber sicherlich
auch auf Ehefrauen anwendbar.
Veränderungen
Doch just das sollte ja nach diesem Referat
alles anders werden. Und so gab Yola Entz den Frauen den Rat mit auf den
Heimweg, ihren Männern bei der Rückkehr zu flüstern, wie
lieb "frau' ihn habe und wie stolz "frau" auf ihn sei.
Bleibt zu hoffen, daß sie damit nicht genau den Umkehreffekt auslösten
und die bisher zutiefst Unverstandenen und Vernachlässigten herbes
Mißtrauen gegenüber solch ungewohnten Verhaltensweisen ihrer
Frauen entwickelten.
Schließlich konnten die Männer
nicht ahnen, was sich zwischenzeitlich abgespielt hatte. Sie waren ja
beim Frühstückstreffen für Frauen nicht eingeladen gewesen.
Warum eigentlich nicht? Sie hätten zweifellos eine Menge über
sich und ihre "ganz andere Hälfte" lernen können.
Das wäre bestimmt nicht verkehrt gewesen.
Trennung als Lösung?
Denn es hilft nicht viel, wenn nur einer
von beiden versucht, diese neuen Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen.
Und es gibt genügend Ehepaare, die ihr Zusammensein nur noch als
etwas Schreckliches und Schmerzliches erleben. Die in der Trennung die
einzige Lösung zum Überleben sehen.
Keine Ehe ist ohne Spannungen. Doch wir begehen
oft den Fehler, immer zuerst nach dem Weg zu suchen, der unsere eigenen
Wunden heilt und unser zerstörtes Selbstbewußtsein wieder aufrichtet.
Dabei wäre es viel effektiver, der Krankheit an die Wurzeln zu gehen,
die unsere Beziehung vergiftet. Wir testen tausend Strategien für
ein besseres Gefühl mit uns selbst. Aber im tiefsten Grunde brauchen
wir den anderen, um glücklich zu sein. Das Glück kommt von innen
heraus und wird geprägt von meiner Einstellung zu meinem Partner,
zu mir selbst und zur Umwelt mit all ihren Umständen. Änderungsversuche
führen zu Spannungen zwischen Mann und Frau. Keiner möchte das
Meisterwerk des anderen sein. Wenn ich dem anderen vertraue, ihm etwas
zutraue, ihm freie Entfaltung gewähre, dann wächst er mit steigendem
Selbstvertrauen in seinen Part hinein.
Liebe lebt von Vergebung
Um den anderen jedoch bejahen zu können
wie er ist, muß ich bei mir selbst anfangen. Damit haben viele Frauen
Schwierigkeiten. Aussehen, Figur oder andere Äußerlichkeiten
stehen da oft im Weg. Doch erst wenn ich mich akzeptiere, gehe ich mit
den Mitmenschen toleranter und nachsichtiger um. Mit Bitterkeit, Haß
und Groll im Herzen kann indes niemand aufrichtig glücklich sein.
Liebe lebt von gegenseitiger Vergebung.
Dazu hatte Yola Entz die kleine Geschichte
eines Ehepaares parat, das es leid war, sich täglich über Banalitäten
zu streiten. Die beiden vereinbarten, eine Woche lang ihre Vorwürfe
auf Zettel zu schreiben und in ein Kästchen zu werfen. Nach abgelaufener
Frist setzten sie sich zusammen, um die Zettel gemeinsam zu lesen. Sie
hatte ihm allerhand vorzuhalten, was er lange versprochen und immer noch
nicht eingelöst hatte, wo er verletzend und nachtragend gewesen war.
Er las es laut und mit großer Beschämung.
Dann entfaltete sie Zettel um Zettel. Ein
Kloß machte sich in ihrem Hals breit. Die Stimme versagte. Tränen
traten in ihre Augen. Auf jedem der Blätter stand: "ich liebe
dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich..."
Sabine Model
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