GEO MAGAZIN Nr.
6/ Juni 2000 (S. 185)
Nächtliche Illusion
Weshalb erscheint der Mond am Horizont größer als hoch
am Himmel? Amerikanische Forscher gaben Antwort.
Der Mond ist, wenn er auf- und untergeht, meist rötlich gefärbt und
scheint viel größer zu sein als auf seiner Bahn über den Nachthimmel.
Es gibt viele Hypothesen über das verblüffende Phänomen, doch nun meinen
zwei amerikanische Forscher eine zweifelsfreie Erklärung dafür zu haben.
Klar war immer schon, dass die lunare Erscheinung eine optische Täuschung
sein muss: Denn die objektive Größe der Mondscheibe am Horizont ist
identisch mit jener hoch am Firmament. Die Mond-Illusion kommt offenbar
zustande, wenn das Gehirn die zweidimensionalen Bilder, die zunächst
auf der Netzhaut der Augen eintreffen, zu einem dreidimensionalen räumlichen
Bild verrechnet. Vor allem zwei Hypothesen konkurrierten bislang. Die
eine besagt, unser Gehirn versuche, die Größe eines entfernten Gegenstandes
durch Vergleich mit anderen Objekten abzuschätzen; und deshalb erscheine
der Mond am Horizont neben Bäumen und Bergen riesig, oben am Firmament
mangels Vergleichsmöglichkeiten hingegen kleiner. Die zweite Hypothese
sieht den Grund in einer optischen Täuschung, die mit der Entfernungseinschätzung
zusammenhängt: Sind zwei Objekte auf unserer Netzhaut gleich groß, wird
das weiter entfernte als größer wahrgenommen. Der aufgehende Mond werde
vom Gehirn als riesig eingeschätzt, weil er weiter entfernt ist als
die Objekte am Horizont. Die Distanz des hoch am Himmel stehenden Mondes
hingegen lässt sich - ohne ein räumliches Bild ermöglichende Objekte
im Vordergrund - schwer ermessen; er wird als näher und kleiner empfunden.
Mithilfe einer ausgeklügelten Versuchsanordnung testeten der New Yorker
Psychologe ( http://www.pnas.org/cgi/content/full/97/1/500
) und sein in Kalifornien lebender Sohn James diese beiden Hypothesen
an fünf Freiwilligen auf einem Hügel auf Long Island. Die Personen hatten
vor sich einen halbdurchlässigen Spiegel, durch den sie die Landschaft
und gleichzeitig projizierte Kunstmonde sehen konnten. Diese von einem
Computer generierten Kunstmonde wurden in die Augen gespiegelt - jeder
als 3-D-Bild, um einen räumlichen Eindruck und dadurch eine Entfernungseinschätzung
zu ermöglichen. Der eine war als weit entfernte, fest platzierte Himmelsleuchte
angelegt. Das Bild des zweiten aber konnten die Versuchspersonen so
verändern, dass er räumlich näher heran oder weiter weg zu rücken schien,
ohne dass sich allerdings die objektive Größe der Scheibe änderte. Die
Probanden wurden nun gebeten, den beweglichen Kunstmond in die Mitte
zwischen Fixmond und sich zu postieren. Ergebnis: Fand der Versuch mit
Blick auf den Horizont statt, brachten sie den variablen Kunstmond in
einer scheinbaren dabei nach oben in den Himmel, plazierten sie ihn
in acht Meter Entfernung - viermal näher! Damit war für die Forscher
bewiesen: Das Gehirn "sieht" den Mond am Horizont weiter entfernt als
wenn er hoch oben am Himmel steht und bewertet ihn deshalb als größer.
Im Prinzip die gleiche
Erklärung aber etwas anders beschrieben im Sept
05 bei t-online (pdf-Datei)