Yvonne und Paula haben sich 2006 schnell nacheinander aus unserer Welt verabschiedet.
Hier das letzte Foto (mit Yvonnes Sohn Claude).
Das Gemälde links unten (am Seitenende in groß) ist von Claude. Das durften wir aus Paulas Nachlass mitnehmen.

 

2005 sind es 40 Jahre her, seitdem Yvonne und André zum ersten mal uns
und andere Familien in Niederelbert besuchten.


Yvonne und ihre Schweser Paula (beide über 90) waren bei uns im Sept. 2005 in Ober-Ramstadt und Niederelbert zu Besuch.
Es gab dort ein Interview mit der Rheinzeitung.

In Kürze:
1965 kam Yvonne mit Ihrem Mann André nach Niederelbert. Sie wollen den Ort besuchen, den André aus seiner Gefangenschaft noch in guter Erinnerung hat. Seitdem blieb der Kontakt erhalten.
Wir besuchen mittlerweile jedes Jahr Yvonne und Paula, ihre Schwester, in Léré bei Cosne, ca. 170 km südlich von Paris an der Loire.
Nous envoyons des amitiés à nos amis en France.

 


März 2002 an Paulas 88. Geburtstag.


Das Gelände der beiden Schwestern etwas verfälscht


Blick zum Grundstück über den parallel zur Loire laufenden Kanal


Die überflutete Loire in Cosne im Dez. 2003

Rhein-Zeitung 07. September 2005

Freundschaft seit Generationen

Im Jahr 1940: Der Franzose André Dintzner wird als deutscher Kriegsgefangener in das Gefangenenlager nach Holler gebracht. Nun wird André Dintzner fünf Jahre lang als Arbeiter in den umliegenden Ortschaften auf verschiedenen Bauernhöfen arbeiten müssen. Obwohl er ein Zwangsarbeiter ist, schließt er mit den Familien, für die er arbeitet, eine lebenslange Freundschaft. Die währt nun schon seit Generationen und wird auch noch nach seinem Tod im Jahr 1980 von den Familienangehörigen weitergeführt.

NIEDERELBERT. Zwei elegante ältere französische Damen sitzen bei Familie Ferdinand in Niederelbert im Wohnzimmer: Yvonne Dintzner und ihre Schwester Paula Cajad sind wieder – wie fast jedes Jahr – im Westerwald zu Besuch. „Die Familie von André und unsere Familie verbindet nun schon eine jahrzehntelange Freundschaft, die in den schlechten Zeiten des Krieges aufgebaut wurde. Auch heute noch besuchen wir uns gegenseitig ein paar Mal im Jahr. Nun sind meine zwei ,Tanten’, wie wir sie nennen, Yvonne und Paula wieder für ein paar Tage in Deutschland“, erzählt Thomas Ferdinand, der Enkel von Anton Ferdinand, dem der Bauernhof in Niederelbert gehörte, auf dem André Dintzner seine Arbeit verrichten musste. Bruder Werner Ferdinand fügt hinzu: „Zwischen unserem Großvater und André gab es eine richtige Männerfreundschaft, obwohl beide nicht die Sprache des anderen beherrschten. Außerdem ließ unser Opa – obwohl es verboten war – die Arbeiter mit am Tisch essen und alle Gefangenen ihren Heimatsender über den Volksempfänger hören.“

Schließlich beginnt die rüstige Witwe des ehemaligen Kriegsgefangenen, Yvonne Dintzner, zu erzählen, warum sie und ihr Mann nach dem Krieg überhaupt noch Kontakt mit den Deutschen halten wollten: „Mein Mann wollte, nachdem der Krieg beendet war, mal wieder in den Ort zurückkehren, an dem er fünf Jahre seines Lebens verbringen musste. Zwar tat er dies gegen seinen Willen, doch erinnerte er sich auch gerne an die zahlreichen netten Menschen, die er kennen lernen durfte. Nun waren wir 1965 mit dem Auto im Urlaub in Österreich und beschlossen dann ganz spontan, auf dem Nachhauseweg einen Abstecher in die Westerwaldgemeinde zu machen.

Kontakt brach nicht mehr ab.
In Niederelbert angekommen, erkannten viele Leute André sofort wieder. „Als er beim Bäcker hier im Ort einkaufte, fiel ihm auf einmal eine Frau um den Hals, die zwar damals noch ein kleines Mädchen war, den lustigen und netten Franzosen aber sofort wieder erkannte“, erzählt Werner Ferdinand. So verbrachten André und seine Frau Yvonne Dintzner nach ihrem Spontanbesuch noch eine ganze Woche in Niederelbert bei der Familie Ferdinand, wonach der Kontakt niemals wieder abriss. „Auch zu anderen Familien hier in Niederelbert halten die Franzosen immer noch Kontakt und pflegen eine intensive Freundschaft“, erklärt Thomas Ferdinand weiter.

„Nach dem Tod meines Mannes habe ich weiter Kontakt nach Deutschland gehalten. Der Ort, in dem ich wohne – Cosne sur Loire – wurde schließlich die Partnerstadt von Bad Ems, und so bin ich dann jedes Mal mit diesem Austauschprogramm nach Deutschland gekommen und habe immer in Niederelbert bei unseren Freunden gewohnt“, schmunzelt die heute 93-Jährige, die bei den Partnerstadtbesuchen immer die älteste Teilnehmerin war.

Aber auch die Deutschen, sind praktisch in Frankreich heimisch: Mehrmals im Jahr werden die Koffer gepackt, um Tante Yvonne und Tante Paula zu besuchen.

Erste Tour mit Führerschein
„Unsere Flitterwochen haben wir in Frankreich verbracht, damals wohnten die Dintzners noch in Paris. Und unsere Schwester Erika Lipskey hat sogar ihre erste Tour nach dem bestandenen Führerschein nach Frankreich gemacht“, erzählt Werner Ferdinand, und sein Bruder fügt lachend hinzu, dass die französische Familie ihm und ein paar Freunden auch schon einmal den Urlaub gerettet habe: „Nachdem uns das Geld ausgegangen war und Dauerregen vom Himmel prasselte, haben wir uns kurzfristig bei Tante Yvonne und Tante Paula eingenistet.“
„Natürlich hoffen wir, dass auch noch unsere Kinder und Kindeskinder diese innige und tiefe Freundschaft mit der Familie Dintzner weiterführen“, so die beiden Ferdinand-Brüder. Und Yvonne Dintzner sowie deren Schwester Paula Cajad hoffen, dass sie noch oft trotz ihres hohen Alters nach Deutschland kommen können, um ihre deutschen Freunde zu besuchen.
Carolin Biegel

"Eglise de St. Germain L'Herm"
Claude Dintzner (Yvonnes Sohn)